Gedichte über Katzen von T.S. Eliot

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Der amerikanische Lyriker, Dramatiker und Kritiker Thomas Stearns Eliot (1888 - 1965) schrieb eine Sammlung von Katzenversen, die von seiner Katze Jellylorum inspiriert war. Die 1939 erschienene Sammlung mit dem Titel „Old Possum’s Book of Practical Cats“ (dt. Old Possums Katzenbuch) wurde 1981 von Andrew Lloyd Webber vertont und als Musical „Cats“ ein riesiger Welterfolg. Aus dieser Sammlung stammt folgendes Gedicht, welches von Erich Kästner ins Deutsche übertragen wurde (1899 - 1974):


Wie heißen die Katzen?

Wie heißen die Katzen? gehört zu den kniffligsten Fragen
Und nicht in die Rätselecke für jumperstrickende Damen.
Ich darf Ihnen, ganz im Vertrauen, sagen:
Eine jede Katze hat drei verschiedene Namen.

Zunächst den Namen für Hausgebrauch und Familie,
Wie Paul oder Moritz (in ungefähr diesem Rahmen),
Oder Max oder Peter oder auch Petersilie
Kurz, lauter vernünft’ge, alltägliche Namen.

Oder, hübscher noch, Murr oder Fangemaus
Oder auch, nach den Mustern aus klassischen Dramen:
Iphigenie, Orest oder Menelaus
Also immer noch ziemlich vernünft’ge, alltägliche Namen.

Doch nun zu dem nächsten Namen, dem zweiten:
Den muss man besonders und anders entwickeln.
Sonst könnten die Katzen nicht königlich schreiten,
Noch gar mit erhobenem Schwanz perpendikeln.

Zu solchen Namen zählt beispielsweise
Schnurroaster, Tatzitus, Katzastrophal,
Kralline, Nick Kater und Kratzeleise
Und jeden der Namen gibt’s nur einmal.

Doch schließlich hat jede noch einen dritten!
Ihn kennt nur die Katze und gibt ihn nicht preis.
Da nützt kein Scharfsinn, da hilft kein Bitten.
Sie bleibt die einzige, die ihn weiß.

Sooft sie versunken, versonnen und
Verträumt vor sich hinstarrt, ihr Herren und Damen,
Hat’s immer und immer den gleichen Grund:
Dann denkt sie und denkt sie an diesen Namen

Den unaussprechlichen, unausgesprochenen,
Den ausgesprochenen unaussprechlichen,
Geheimnisvoll dritten Namen.

One Response to “Gedichte über Katzen von T.S. Eliot”

  1. Melanie Says:

    Oh toll, danke für’s “Zeigen”. Schlimm genug, ich kannte dieses schöne Gedicht bisher noch gar nicht.

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